Fluchtzwerg

Zwei Menschen und ein Hund (und einer für immer im Herzen) unterwegs mit dem Eifelland Holiday
Camping mit Hund Campingplätze

TEXEL…Liebe auf den zweiten Blick

Viele schwärmen von ihr, viele lieben sie, viele sind ihr verfallen. Schafe stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit ihr. Die Rede ist von der niederländischen Insel Texel, die größte und westlichste der westfriesischen Inseln. Texel gehört zur Provinz Noord Holland.  An der Westküste breiten sich lange Sandstrände aus, an der Ostseite trifft man auf das Wattenmeer. Die Überfahrt mit der Fähre von Den Helder  dauerte ca. 20 Minuten und hat für unser Gespann knapp 94 Euro gekostet.. Schon von der Fähre aus hat man einen super Blick auf Texel.  A propos Fähre…diese kann ganz einfach von zu Hause per Internet gebucht werden. Mit dem ausgedruckten QR Code, der per Mail zu geschickt wird, macht man sich auf die Reise. Ebenso kann ein Parkticket für alle Parkplätze auf Texel per Internet gekauft werden. Alle Parkplätze auf der Insel sind kostenpflichtig. Wir kauften das Ticket für eine Woche (Kostenpunkt 15 Euro) und brauchten uns um nichts mehr kümmern. Aufpassen muss man allerdings, wenn die Parkdauer auf  eine Zeit begrenzt ist, die Zeiteinschränkung gilt auch für das Parkticket. Die perfekte Organisation läuft über https://www.texel.net/de/.

Ankunft

Um 12.54 Uhr verschwanden wir als eine der letzten im Bauch der Fähre, die pünktlich um 13.oo Uhr in Den Helder Richtung Texel ablegte.

Im „Bauch“ der Teso Fähre

Von der Anlegestelle aus reihten wir uns in die lange Reihe Richtung Norden ein. Unser Ziel war der Ort De Koog. Über die Seite „texelcampings“ hatten wir auf dem Campingplatz „De Shelter“ einen Platz reserviert. Nach der Ortsdurchfahrt von De Koog bogen wir nach ein paar hundert Metern links ab und standen auf einem großen Vorplatz mit Rasenflächen. Super, hier konnten wir problemlos unser Gespann abstellen und uns anmelden. Wir waren natürlich nicht die einzigen, die an diesem Samstag anreisten, dennoch verlief die Anmeldung freundlich und reibungslos. Silvana und Cabo (kalte-schnauze-blog) waren schon vor Ort und erwarteten uns. Die Stellplätze waren  geräumig und wir hatten den Wohnwagen schnell in die richtige Position gebracht und standsicher gemacht.  Die Stühle wurden aufgestellt und wir ließen uns die herrliche Sonne auf den Bauch scheinen! Einen schöneren Empfang auf der Insel konnten wir uns kaum vorstellen!

Wir genossen die warmen  Sonnenstrahlen und machten uns am späten Nachmittag auf den Weg, den Hunden zu zeigen, wo demnächst die Morgen- und Abendgassi Runden stattfinden sollten. Direkt am Campingplatz führte ein Weg durch einen herrlichen Kiefernwald Richtung Meer. Bis zum Meer liefen wir nicht, aber sehen konnten wir die Nordsee schon! Und erst wenn ich das Meer gesehen haben, beginnt für mich der Urlaub!

Kibbeling und Pommes

Kibbeling und Pommes gehören in den Niederlanden einfach dazu. Kibbeling sind panierte und frittierte Fischstücke, meist von Seelachs oder Kabeljau. Auf Empfehlung von Bekannten wollten wir dieses Gericht am Ankunftstag im Örtchen Oudeschild genießen. Ein kleiner, aber feiner Hafen auf der Wattenmeerseite lud zum gemütlichen Sitzen ein. Bis wir allerdings in den Genuss von Fisch und Pommes kamen, lernte ich etwas Neues kennen. Kennt ihr Funk-Frisbee? Ich bis dato jedenfalls nicht.

Funk Frisbee

In den Niederlanden ist es oft so, dass man sein Essen im Lokal bestellt und dann darauf wartet, dass es fertig ist und man sich draußen (oder auch drinnen) zum Essen hinsetzen kann. Wir bestellten also unser gewünschtes Menü und bekamen dieses Teil in die Hand gedrückt. Wir nahmen es mit an den Tisch und beobachteten die anderen Gäste, die auch so ein ufoähnliches Teil auf dem Tisch liegen hatten. Eine Zeitlang passierte nichts, bis auf einmal rote Lämpchen blinkten und das Ding piepste! Die Herrschaften standen auf, gingen ins Restaurant und kamen mit einem voll beladenen Tablett nach draußen! Aha, so läuft das also. Einige Minuten später erwachte auch unser Ufo zum Leben und wir konnten köstlichen Kibbeling mit hausgemachten Pommes genießen. Eine tolle Sache!

Ich fühlte mich nach der Mahlzeit kugelrund, also konnte ein kleiner Verdauungsspaziergang durch das Hafengelände nicht schaden. Einen kleinen Ortskern etwas abseits vom Hafen mit wenigen, kleinen Geschäften gibt es auch.

Den ersten gemütlichen Abend auf Texel verbrachten wir unter dem Zeltdach, da es doch sehr kühl wurde.

Aktivitäten

Den Burg solltet ihr auf jeden Fall besuchen, wenn ihr mal auf Texel seid. Ein wirklich hübscher Ort, der zum Bummeln einlädt und viele kleine Geschäfte laden zum Stöbern und Kaufen ein. Außerdem gibt es hier eine Apotheke, ich glaube sogar die einzige auf der Insel. Das macht Sinn, weil fast alle Ärzte und Tierärzte sich in diesem Ort niedergelassen haben. Als wir Den Burg besuchten, war Markttag. Es war richtig was los im Städtchen.

Schafe, wohin das Auge blickt

 

Überall gab es was zu entdecken
Paal (Pfahl) in allen Varianten

 

Eine kleine Wanderung um De Hors im Süden der Insel hat uns nicht wirklich begeistert. Vielleicht waren wir nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Außer Möwen, Kormoranen und Austernfischern war nichts zu sehen. Leider waren viele Sanddornsträucher von Gespinstraupen befallen.

 

Gespinstraupen überall am Sanddorn

 

Blick vom Aussichtspunkt auf ´t Horntje. Hier legt die Fähre an.

 

Schöne Blüte am Wegesrand

Auf der Rückfahrt machten wir Station in Den Hoorn. Das südlichste Dorf der Insel besticht durch gemütliche, kleine Straßen, in denen viele Künstler wohnen. Die evangelische Kirche ist ein begehrtes Fotomotiv.

Absolut notwendig ist eine Einkehr in „Klif 23“. In diesem Eethuis gibt es nicht nur 125 verschiedene Pfannkuchen sondern auch Kaffee und Kuchen. Überall sitzt man gemütlich, ob drinnen oder draußen. Leider hatte ich meinen Pfannkuchen mit 3 Sorten Käse von Texel schon auf gefuttert!

dav

Und jetzt kommen die Highlights unseres Texelaufenthaltes: eine Fahrradtour nach De Cocksdorp und die Wanderung durch das Naturschutzgebiet De Slufter.

Fahrrad fahren auf Texel

Schon zu Hause kam mir der Gedanke, auf Texel ein Fahrrad zu mieten, ein e-bike natürlich! Ich hatte mich im Vorfeld schon über Preise informiert und ob man einen Hundehänger mieten kann. Alles kein Problem! Vor der Rezeption des Campingplatzes standen einige Gazelle Fahrräder, alle ohne Hilfsmotor. Wir erkundigten uns nach einem Pedelec und wir konnten direkt an der Rezeption alles fest machen und die Fahrräder würden zum Platz gebracht. Toller Service, der allerdings mit 20 Euro für das Fahrrad und 8 Euro für den Hundeanhänger zu Buche schlug. Pro Person und Tag. Bei Leika war ich mir ziemlich sicher, dass sie das mit macht, da sie schonmal darin chauffiert wurde. Bella konnte ich nicht einschätzen. Abends waren die Räder schon am Platz und wir setzten Bella probehalber hinein. Ganz geheuer war ihr das nicht, aber ich war guter Dinge, dass sie sich im Trailer ziehen lässt. Ich wurde eines Besseren belehrt!

Als wir am nächsten Morgen in die Pedale traten, ich vorneweg mit Leika im Hänger, dann Silvana mit Cabo und Stephan mit Bella, hörte ich nach einigen Metern ein jämmerliches Geschrei von Cabo. Der fand die Aktion wohl voll daneben und wollte sich überhaupt nicht beruhigen.  Ich war schon ein gutes Stück voraus gefahren und hörte den Hund immer noch Jaulen, als wären Hundefänger hinter ihm her. Ich drehte um, um zu schauen was los war. Silvana brach die Tour ab. Aber auch Bella veranstaltete einen mittleren Aufstand in ihrem Hänger, so konnten wir mit ihr nicht weiter fahren. Da kam mir eine Idee: ich fuhr mit Bella vorweg und Stephan mit Leika hinterher, so konnte der kleine Hund sein Herrchen sehen. Und was soll ich sagen? Es klappte! Die kleine schwarze Madame beruhigte sich! Aber wehe, Herrchen fuhr mal vor, dann startete sie sofort ihre Jaulerei.

Wir fuhren gegen den Wind und orientierten uns am Knotenpunktsystem. Ein tolles System, bei dem wir uns nicht verfahren sollten. Einmal ist es doch passiert, und wir mussten ein Stück zurück . Lange Zeit radelten wir amEijerlandse Kananl vorbei. Die Sonne strahlte von einem wunderbar blauen Himmel und ich fühlte mich pudelwohl auf dem Fahrrad, leicht und beschwingt. Der unterstützende Motor war eine Wohltat bei dem heftigen Gegenwind. Herrlich! Fahrrad fahren war schon immer mein Lieblingssportart. Seit wir die Hunde haben, fahre ich viel zu wenig. Am Kanal tummelten sich viele Wasservögel und mindestens genau so viele Fotografen. Wir hielten kurz an, um einen Blick durch das Fernglas zu werfen. Da war tatsächlich ein Löffler, der im seichten Wasser nach Nahrung suchte. Weiter ging es Richtung de Cocksdorp im Norden der Insel. Hier wurde der „Fietspad“ schon schmaler und wir mussten höllisch aufpassen. Denn mit einem Hundeanhänger hinten dran waren wir nicht ganz so wendig. Ein Stück fuhren wir am Deich entlang, immer die Nachbarinsel Vlieland im Blick und natürlich die Deichschafe auf der anderen Seite. Wir ließen den Ort links liegen und steuerten den Leuchtturm an. Die Fahrräder parkten wir in der Nähe und marschierten zum Strand, der hier wunder breit ist. Einfach im Sand sitzen und auf das Meer schauen tut meiner Seele immer gut. Leika buddelte sich wie immer ihr Loch und legte sich hinein. Leider wurde die Idylle von Kampfflugzeugen getrübt, die alle paar Minuten über uns hinweg donnerten. Dass der Heimweg ein einziges Fiasko werden, ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Schnell fanden wir den Einstieg auf den Fahrradweg, der uns vorbei an „De Slufter“ wieder zum Campingplatz zurück führen sollte. Das erste Stück war fantastisch! Breiter Weg, wenig los und tolle Ausblicke. Doch dann wurde der Weg enger und voller. Ich kam mir vor wie auf einer Fahrradautobahn. Gegenverkehr und waghalsige Überholmanöver trübten schnell den Spaß. Zu allem Überfluß kamen wir an bald an eine Stelle, wo es einen Fahrradunfall gegeben hatte. Ein Mann lag in der Böschung und viele andere Menschen standen drum herum und kümmerten sich. Wir passierten zügig die Unfallstelle. Ich wollte nur ein: weg von diesem Fietspad, der mich zunehmend verunsicherte. Im Hintergrund vernahmen wir Sirenen. Der Krankenwagen war auf dem Weg, sich um den verletzten Fahrradfahrer zu kümmern. Da passierte vor meinen Augen das nächste Unglück! Eine ältere Dame wollte einem Kind ausweichen, dass vor ihr fuhr und die Fahrspur verloren hatte. Bei dem Ausweichmnöver verlor sie die Kontrolle über ihr Rad (nein, kein E-Bike) und landete unsanft auf dem Boden. Sofort hielt ich an und parkte mein Rad, nicht ohne Klingelkonzert hinter mir. Wie konnte ich auch mein Fahrrad einfach abstellen und damit die nachfolgenden Fahrer behindern! Unglaublich! Die Mutter des Kindes hielt auch sofort an und wir kümmerten uns um die Dame, die nach einer Schrecksekunde und einer Inspektion ihres Körpers wieder aufsteigen konnte. Sie hatte zum Glück nur ein paar kleine Abschürfungen. Glück gehabt.

Liebend gerne hätte ich diesen Horrorweg verlassen! Aber wir waren bald am Ziel und kämpften uns tapfer weiter. Den Supergau erlebten wir am Ende der Tour: vom Fahrradweg aus mussten wir auf den Fahrradweg entlang der Hauptstraße einbiegen. Als wir den Abzweig erreichten, standen schon eine Radfahrer und warteten auf ein Lücke im Gegenverkehr, denn auch dieser Teil des Weges war sehr frequentiert. Wir stiegen auch ab, um einzufädeln. Da quetschen sich doch tatsächlich ein paar Radfahrer mit lautem Gelklingel an uns vorbei! Fast wäre dabei zu einem Zusammenstoß gekommen! Die mit uns Wartenden schüttelten wie wir nur den Kopf über ein derart rücksichtsloses Verhalten! Wir waren sehr froh, heil am Platz angekommen zu sein! An Fotos war auf dem Rückweg überhaupt nicht zu denken, auf dem Hinweg habe ich nur wenige gemacht.

 

De Slufter

Wer Texel besucht, für den ist eine Wanderung durch „De Slufter“ Pflicht. Ein wunderschönes Naturschutzgebiet im Nordwesten der Insel, in das die Nordsee ungehindert einfließen kann. Dadurch entstehen riesige Salzgebiete, die ihre ganz eigene Fauna und Flora haben.

Wir starteten unsere Wanderung vom Campingplatz aus. Hin liefen wir durch das grandiose Naturschutzgebiet, zurück sollte der Weg uns am Strand entlang führen. Die Sonne schien zwischen den weißen Wolken hindurch. Der Wind war heftig und recht kühl. Wegen Brut- und Setztzeit waren einige Wege gesperrt. Beim Start wußten wir noch nicht, dass wir deshalb auf 11 Kilomter kommen würden und dass unsere Leika diese Wanderung schaffen würde. Der Anstieg durch die Dünen um hinunter an den Strand zu kommen, war ganz schön anstrengend. Zum Abschluß dieser grandiosen Tour genossen wir Kaffee und Apfelkuchen mit Sahne in der Strandbude. Mein Fazit: absolut empfehlenswert!!

 

Die Zeit auf Texel war natürlich wieder viel zu schnell vorbei. Die Insel ist wunderschön und bietet viele Möglichkeiten. Den ausgesuchten Campingplatz kann ich ruhigen Gewissens empfehlen. Dennoch haben mich zwei Dinge massiv gestört: zum einen die vielen wirklich rücksichtslosen Radfahrer und zum anderen die Hundbesitzer. Einige meinten wohl, weil Texel als sehr hundefreundlich bekannt ist, dürften ihre Vierbeiner alles, auch im Naturschutzgebiet ohne Leine laufen und dann Enten jagen. In dem Kiefernwäldchen nahe unserem Platz schoß am zweiten Tag unseres Aufenthaltes ein Schäferhund aus einem Seitenweg und klemmte sich sofort an Leikas Hinterteil. Irgendwann kam der Besitzer hinterher und versuchte mir auf niederländisch mitzuteilen, dass sein Hund ein „tutnix“ ist und ich sollte meine Hunde doch losmachen. Nun, die Entscheidung treffe ich lieber selber, wann und wo ich meine Hunde laufen lasse. Und „Poopsakjes“ (die es übrigens kostenlos an der Rezeption des Campingplatztes gab) haben andere Leute anscheinend auch nicht immer dabei.

Trotz allem war die eine Woche Urlaub auf Texel war eine besondere Woche. Es war unser letzter Urlaub mit Leika. Drei Wochen nach dieser Zeit mussten wir unsere geliebte, 14- jährige Hündin am 4. Juni 2018  einschläfern lassen. Es hängen so viele Erinnerungen an dieser Insel, dass es beim Schreiben und Bilder betrachten schon fast weh tut.

Texel wird mir immer in besonderer Erinnerung bleiben!

 

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1 Kommentar

  1. liebe Fluchtzwergin:-)
    ein bisschen verspätet (aber immerhin doch noch geschafft) habe ich heute mit großem Interesse und noch gößerem Gefallen Deinen blog gelesen!
    Du schreibst spannend, sehr persönlich, aber auch informativ für jedermann/frau!
    Hat Riesenspass gemacht ihn zu lesen! Danke dafür!
    Herzliche Grüße

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