Fluchtzwerg

Zwei Menschen und ein Hund (und einer für immer im Herzen) unterwegs mit dem Eifelland Holiday
Allgemein Camping mit Hund Campingplätze

Der ist weg vom Fenster!

Wahrscheinlich ist dieser Spruch vielen bekannt! „Der ist weg vom Fenster!“ Was heißt das eigentlich und woher kommt diese Redensart?

Auf diese Frage sollten wir bei unserem Wochenendausflug ins Bergische Land eine Antwort bekommen. Diese Gegend östlich von Köln hat bei mir bisher wenig Beachtung gefunden, warum auch immer.  Vielleicht liegt es daran, dass man Köln schlecht umfahren kann auf dem Weg dorthin und mit der Domstadt verbinde ich automatisch „Stau“! Trotzdem wollte ich diesen Landstrich gerne näher kennen lernen. Ein Campingplatz war schnell gefunden, der Kontakt per Mail und Telefon war sehr freundlich, die Wetteraussichten mehr als gut! Was braucht ein Camper mehr zu seinem Glück?!

So machten wir uns Freitag nachmittag auf den Weg und natürlich kamen wir am Kreuz Köln Ost in einen Stau, wegen eines Unfalls. Nun, das ist immer schlimm und nicht planbar. Trotzdem kamen wir gegen halb sieben am Platz an, der etwas außerhalb liegt und wir die Einfahrt natürlich verpassten. Wir fanden eine geeignete Stelle zum Wenden mit Wohnwagen und schlängelten uns das Sträßchen hinauf nach Oberbüschem zum Campingplatz.

Hier wurden wir von der Betreiberin Petra Baldsiefen sehr herzlich begrüßt! Wir kamen sofort in ein lockeres Gespräch und es gab viele Informationen zum Bergischen Land und über Lindlar, ausgedruckte Wanderbeschreibungen lagen auch bereit. So erfuhren wir, dass noch einige Umstrukturierungen auf dem Platz in Planung sind und das neue Sanitärgebäude erst seit kurzem in Betrieb ist. Sogar Brötchen konnten wir für Samstag noch bestellen! Toller Service!

Die Plätze für Touristen waren neu angelegt, wir suchten uns einen Platz unter zwei Birken aus. Sofort kamen zwei Camper und halfen uns, den Fluchtzwerg in die richtige Position zu schieben. Prima, vielen Dank! Ein guter Start ins Campingwochenende! Wir standen direkt neben dem Eingang zur Hundewiese, unsere Nachbarn waren freundliche Briten, die ebenfalls zwei Hunde dabei hatten. Unsere Mädels Leika und Bella hatten eine Menge Spaß auf dem Auslaufplatz!

Das neue Sanitärgebäude hat mich restlos begeistert! „WOW“ trifft es am besten! Hier wurde Wert auf Qualität gelegt! Das in weiß, anthrazit und dunkelrot gehaltene Ambiente traf genau meinen Geschmack! Beim Eintreten öffnete sich eine große Schiebetür und das Licht ging automatisch an. Links der Damenbereich, rechts der Bereich für die Herren. Die Toiletten hatten richtige Wände ohne Luft oben und unten, hier hatte man Privatsphäre am gewissen Örtchen! Die Duschen sehr großzügig mit Platz für sich und all die Klamotten, die zur Säuberung beitragen!

Nach einem schönen Abend mit Blick auf die sanft hügelige Landschaft schliefen wir hervorragend! Am nächsten Morgen hörte ich um kurz vor acht ein Rascheln vor unserem Fluchtzwerg, kurz danach klopfte es an der Türe. Ich stand auf und schaute hinaus! Achja, der Lieferservice für Brötchen bis vor die Wohnwagentüre war an diesem Wochenende im Preis inbegriffen!

bergisches land-0251

 

So starteten wir gut gestärkt vom Campingplatz aus unsere für den Samstag geplante Wanderung Richtung Kapellensüng. Sie Sonne strahlte von einem tiefblauen Himmel und tauchte die Landschaft in ein wunderbares Spätsommerlicht. Die Wege waren gut zu finden und sehr abwechslungsreich. Über breite Forstwege und schmale Pfade genossen wir den lichtdurchfluteten Mischwald, der Boden war an einigen Stellen vollkommen mit Moos bewachsen. An einem kleinen Bach konnten die Hunde sich die Pfoten kühlen und das klare Wasser genießen.

Wir verließen den Wald und folgten der asphaltierten schmalen Straße Richtung Kappellensüng durch eine herrliche Wiesenlandschaft. Die Kirche des Örtchen war schon aus einiger Entfernung gut zu erkennen. Vor dem sommerlich blauen Himmel sah die katholische Pfarrkirche St. Agatha prächtig aus! Im Schatten des Kirchturmes stärkten wir uns mit einer kleinen Mahlzeit und reichlich Wasser. Auch unsere Vierbeiner tranken gierig! Im offenen Gelände war es deutlich wärmer als im schattenspendenden Wald.

Vorbei an riesigen Pferdeweiden und kleinen Waldstücken führte uns der Weg zurück in Richtung Campingpark. Die offene Weidelandschaft bot Greifvögeln wie dem Rotmilan und dem Mäusebussard einen reich gedeckten Tisch. Ständig kreisten sie mit ihrem typischen Kreischen über uns, einmal sogar neun Bussarde gleichzeitig auf sehr engem Raum.

Auf den letzten zwei Kilometern hatten wir den schönen Campingplatz immer im Blick! Zurück am Wohnwagen ließen die Hunde sich nach dem Fressen die Sonne auf den Bauch scheinen. Wir Menschen genossen die Wärme der Nachmittagssonne bei einer Tasse Kaffee.

 

Nach Dusche, Abendessen und dem obligatorischen Glas Rotwein fielen wir alle vier erschöpft aber glücklich ins Bett.

Am Sonntag fuhren wir nach Lindlar. Dank des guten Infomaterials von Frau Baldsiefen fanden wir problemlos einen Parkplatz in dem ca. 12 km entfernten Ort. Beim Gang durch den Ort fiel uns als erstes die Kirche St. Severin ins Auge. Bei unserer Bella regte der Anblick der Kirche wohl die Darmtätigkeit an…sie krümmte sich mitten auf der Straße in die allseits bekannte Position und ließ ihrem Bedürfnis freien Lauf! Was sollte sie auch sonst machen? Ich musste grinsen! Als verantwortungsvolle Hundehalterin habe ich natürlich in allen Taschen diese schwarzen Tütchen (ja, es gibt sie auch in farbig). Ich hatte gerade eins ans Tageslicht geholt, als ein Auto  in die Straße einbog, sodass wir zur Seite springen mussten. „Hoffentlich fährt er nicht durch den Haufen!“ schoß es mir durch den Kopf.

Wir hatten Glück, die Hinterlassenschaft konnte unbeschadet eingetütet werden und ordnungsgemäß im nahe gelegenen Mülleimer entsorgt werden. Wir konnten unseren Stadtbummel in Richtung Tourist Info entspannt fortsetzen. Diese war am Sonntag natürlich geschlossen, diverse Infotafeln boten aber Orientierung und wir entschieden uns für den Steinhauerpfad , einen von mehreren Themenpfaden, auch Streifzüge genannt.

Wir machten uns auf den Weg und gelangten zum Friedhof. Müssen wir wirklich über den Friedhof? Viele Menschen besuchten an diesem Sonntagmorgen die Gräber, ich kam mir ein bißchen wie ein Störenfried vor, als wir mit unseren Hunden den Hauptweg entlang gingen. Aber wir waren richtig, und kurz nachdem wir den Friedhof verlassen hatten, führte uns ein leicht ansteigender Weg in Richtung Wald. Von hier aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf Lindlar.

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Da die Sonne noch ordentlich Kraft hatte, waren wir froh, dass der kühlere Wald uns Schatten spendete. Vorbei an einem aktiven Steinbruch bogen wir links ab und begingen den Pfad, den die Steinhauer vor vielen Jahren genutzt hatten, um die Lindlarer Grauwacke zu transportieren. Der Pfad wurde schmal und der märchenhafte Wald schaffte eine eigenartige Atmosphäre. Ich hatte fast das Gefühl, das Hämmern in den zugewachsenen Steinbrüchen zu hören. Dieser Weg war grandios, Infotafeln informierten über die harte Arbeit, die früher hier verrichtet wurde.

LINDLAR IST STEINREICH; AUCH WENN DIE MENSCHEN HIER NIE MEHR VERDIENT HABEN ALS ANDERSWO: STEINREICH SIND ALLERDINGS IHRE STEINBRÜCHE; IN DENEN SEIT JAHRHUNDERTEN DIE LINDLARER GRAUWACKE ABGEBAUT WIRD: ALS BAUSTOFF IST SIE HEUTE WELTWEIT GEFRAGT.

Eine nette Begegnung mit einem älteren Ehepaar hatten wir unterwegs, die einzigen Menschen, die wir auf dem Steinhauerpfad trafen. Sie waren genauso begeistert wie wir und wir kamen ins Gespräch. Die Dame teilte uns mit, dass sie seit 35 Jahren in Lindlar wohnt und diesen tollen Weg noch nie gelaufen ist. Sie verabschiedete sich mit den Worten: „Da muss ich erst 71 Jahre werden um so etwas Schönes zu erleben!“ 

Kurz vor Ende der Tour gab es noch einen herrlichen Blick auf einen aktiven Steinbruch, den man einige hundert Meter später auch betreten durfte.lindlar,steinhauerpfad-0371

Um gewünschte Informationen zu erlangen, musste man hier selber aktiv werden und kurbeln! Dann erzählte eine angenehmene Männerstimme  Interessantes aus der Welt der Steinhauer. lindlar,steinhauerpfad-0390

 

 

Und hier ist des Rätsels Lösung!

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Steinbrucharbeiter, deren Lungen durch Einatmen von Steinstaub geschädigt waren, saßen häufig am offenen Fenster, um ausreichend Sauerstoff zu bekommen. Wenn Sie dann eines Tages dort nicht mehr saßen, war dies in der Regel ein sicheres Zeichen für ihren Tod.

 

Auch der schönste Weg ist einmal zu Ende. Wir genossen noch ein Eis im Schatten der Lindlarer Kirche, fuhren zurück zum Campingpark, packten nach einem Kaffee unsere Sachen und fuhren Richtung Heimat.

Wir kommen auf jeden Fall wieder, wenn das Wetter mitspielt vielleicht noch im September! Es gibt noch viel im Bergischen Land zu entdecken!

 

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6 Kommentare

  1. Wirklich schön geschrieben und tolle Fotos noch dazu! Ein Besuch im Bergischen Land ist immer lohnenswert! Vielen Dank für den schönen Beitrag! MfG aus Moitzfeld… („Moitzfeld liegt nicht weit von Dir – nimm Ausfahrt 20 der A4.“)

  2. Das ist ja ein toller Bericht! So schöne Bilder! :)
    Wir vom K1 sind ja auch nicht sooo weit von da. Wir würden gerne bei uns im Blog kurz auf deinen tollen Bericht hier verlinken, wenn’s erlaubt ist…

    1. Hallo Chris!
      Sorry, ich habe deinen Kommentar erst jetzt gelesen 😏, das tut mir total leid. Ich bin ganz glücklich dass du meinen Bericht so toll findest. Verlinken darfst du gerne auf deinem Blog! Schaue ich mir später an!
      Viele Grüße Birgit

  3. Aaah, wieder etwas gelernt. Sehr schön! Jetzt kann ich mit meinem Wissen angeben dank deines schönes Berichtes. Und ins Bergische möchte ich jetzt auch gerne. Und wenn es da auch wildromantisch ist, umso besser. Wie gut, dass ich mich gestern auf der TourNatur mit Infomaterial eingedeckt habe. :-)
    Der Campingplatz scheint ja auch sehr empfehlenswert zu sein.

    LG Silvana

    1. Wenn ich Dir Lust aufs Bergische gemacht habe, ist mein Ziel ja erreicht! 😉 Und der Platz ist wirklich empfehlenswert. Ich finde es prima, wenn ich auf unseren Touren immer wieder Neues erfahre! Man lernt ja bekanntlich nie aus! 😊

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