Fluchtzwerg

Zwei Menschen und zwei Hunde unterwegs mit dem Eifelland Holiday
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Campen Camping mit Hund Campingplätze

Frankreich mit dem Wohnwagen Teil 1 Oye Plage

Zwei Wochen in Hauts-de-France,  Nord-Pas-de-Calais

Anfang August waren wir für zwei Wochen mit dem „Fluchtzwerg“ in Frankreich, genauer gesagt im Norden Frankreichs, da wo den Gerüchten nach niemand hin möchte, weil das Wetter immer schlecht ist und die Temperaturen zu wünschen übrig lassen. Die nördlichste Region Frankreichs an der Grenze zu Belgien trägt seit Ende September 2016 offiziell den Namen „Hauts-de-France“. Eines vorweg: wie hatten gutes Wetter und die Temperaturen lagen im Durchschnitt etwas über 20 Grad, optimal zum Wandern, aber auch geeignet für einen Strandtag, denn die Sonne hatte ordentlich Kraft. Es war ein sehr visueller Urlaub, gab es doch überall faszinierende Weitblicke, Ausblicke und Einblicke.

Wie kamen wir eigentlich auf die Idee, dorthin zu fahren? 2016 war mein Schwager Andreas (der Bruder meines Mannes) mit seinen beiden Töchtern ein paar Tage dort. Als wir uns kurz danach zum Grillen trafen, schwärmten die Mädchen und auch Andreas in den höchsten Tönen von dieser tollen Gegend um den Küstenort Wissant. Die gezeigten Fotos bestätigten ihren Enthusiasmus. Die Idee entstand, dort gemeinsam den Sommerurlaub 2017 zu verbringen. Wir auf einem Campingplatz und der Rest der Familie (also Andreas, seine Frau Anja und meine beiden Nichten Pia und Matilda) in einer Ferienwohnung. Diese war dann mit Hilfe eines Freundes von Andreas schnell gefunden, genau gegenüber dem Campingplatz in Hervelinghen, 4 km von Wissant und dem Strand entfernt. Perfekt! Wir beschlossen, uns am 12. August 2017 in Hervelinghen an der Cote d`Opale zu treffen.

Drei Tage Oye Plage

Da ich schon eine Woche früher Urlaub hatte, beschlossen Stephan und ich schon vorher  zu fahren und die ersten Tage woanders zu verbringen. Verschiedene Ideen wurden besprochen und wieder verworfen. Eines Tages kam  der allesentscheidende Hinweis: ein Bekannter hatte Stephan vom Städtchen Bergues vorgeschwärmt, das sollten wir uns unbedingt anschauen. Äußerst sehenswert sei der Ort und bekannt geworden durch den Film „Willkommen bei den Ch´tis“, der hier im Jahr 2008 gedreht wurde. So machte ich mich auf die Suche nach einem Campingplatz und wurde fündig. Camping du Casino sollte es werden, in der Nähe von Dünkirchen und auch von Bergues, der Strand sollte laut Homepage fußläufig zu erreichen sein. 

Nachdem ich mich per Mail nach einem freien Platz erkundigt hatte, starteten wir am 9. August 2017 Richtung Frankreich. Die Strecke ist mautfrei und gegen 16.00 Uhr standen wir vor der Anmeldung, wo wir sehr freundlich begrüßt wurden. Mit meinen französischen Sprachkenntnissen kam ich ganz schnell ins Schleudern (das Schreiben der Mail war schon eine Herausforderung), sodaß wir uns auf englisch verständigten, was in Frankreich nicht immer üblich ist. Wir konnten zwischen vier Plätzen wählen und entschieden uns für diesen:

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Das Wetter war traumhaft! Wir richteten uns zügig ein, denn wir wollten noch zum Strand. Die erste Ernüchterung kam dann beim Besuch des Sanitärgebäudes: keine Schilder für Männlein und Weiblein, das war hier gemischt. Ok, ungewohnt, aber da kamen wir mit klar. Ansonsten war alles vorhanden und sauber. Hervorheben möchte ich ein ausgezeichnetes Behindertenbadezimmer! Hier waren Dusche, Toilette und Waschbecken in einem Raum und sehr geräumig. Vorbildlich!

Der Weg zum Strand war gut zu bewältigen. Und endlich sahen wir das Meer, nachdem es noch ein gutes Stück durch Dünenlandschaft ging.

Zurück wanderten wir durch die Dünen, die hier geprägt sind von Dünengras und Sanddorn.

 

Schon bald betraten wir einen Holzsteg, der zurück zum Parkplatz führte. Wir  begegneten wenigen Menschen, einige waren mit Hund unterwegs, andere mit Kindern. Kurz vor Ende des Steges kam uns ein Paar entgegen. Ich sah, wie der Mann den Kopf schüttelte und als wir etwa auf gleicher Höhe waren, sagte er etwas zu seiner Partnerin, auf französisch. Da wir nicht reagierten, fragte er, ob wir Franzosen wären. Wir verneinten und er sagte klar und deutlich: NO CHIENS ICI! VOUZ PAYER! Auf dem Steg wären keine Hunde erlaubt und man müsste bezahlen! Wir bedankten uns und gingen weiter. Und hier war tatsächlich ein Schild am Aufgang zum Steg, dass Hunde da nicht laufen dürfen! Ok, wir waren durch die Dünen zum Steg gelangt, da war kein Schild! Na, das fing ja gut an in Frankreich! Wir ließen uns die Laune nicht vermiesen und genossen den Rest des Abends bei leckerem Essen und Rotwein.

Wie war das mit dem Wetter? 😉

Am nächsten Morgen wurden wir von Blitz und Donner und laut prasselndem Regen in aller Frühe geweckt.

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Das war schon heftig, was da an Wasser herunter kam. Gefrühstückt wurde deshalb im Wohnwagen, standesgemäß Baguette und Croissants. Als der Regen langsam nachließ, wollte ich spülen gehen. Ich hob die Spülschüssel an, die ich gewohnheitsmäßig unter den Wohnwagen gestellt hatte. HUCH! Was war das?! Zwei Moosbälle?? Die Moosbälle bewegten sich und hüpften davon und entpuppten sich als Kröten. Sie hatten wohl eine lauschige Nacht unter meiner Spülschüssel verbracht!

Den Rest des Tages sollte es trocken bleiben, sodass wir uns zu einem Naturschutzgebiet in der Nähe aufmachten. Hunde waren an der Leine erlaubt. Der Weg führte durch wahnsinnige Mengen von Sanddornsträuchern, die zum großen Teil schon leuchtend orange Früchte trugen. Über einen Holzsteg ging es Richtung Meer. Hier durften die Hunde natürlich nicht mit, wir wechselten uns deshalb ab.

Und abends dann ein gigantisches Spektakel! Über dem Meer schien die Sonne, während es im Binnenland gewitterte. Eine tolle, einzigartige Lichtstimmung!

Bergues

Am nächsten Tag strahlte die Sonne vom Himmel! Ein perfekter Tag um sich Bergues anzuschauen. Schon bei der Einfahrt gefiel mir dieses Städtchen mit seinen ca. 4000 Einwohnern. Wir fanden problemlos einen Parkplatz, der übrigens wie alle von uns angefahrenen Plätze kostenfrei war. Die Stadt war lebhaft, aber nicht laut und hektisch (wie wir es später in Calais erleben sollten). Schon von weitem fällt der Bick auf den Belfried (Beffroi de Bergues), den früheren Wachturm des Ortes, der seit 2005 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Mit seinen 47 Metern Höhe ist er wirklich sehr imposant, zumal der Bau fast 200 Jahre gedauert hat (14. Jhd. bis 16. Jhd.), um dann 1944 von deutschen Truppen zerstört zu werden. 1961 wurde er erneut aufgebaut und die 50 Glocken wieder aufgehängt. Im oben erwähnten Film spielt der Belfried eine zentrale Rolle. Dany Boone als nordfranzösischer Postmann Antoine  beherrscht das Glockenspiel in Perfektion. Dieser Film bescherte dem Städtchen übrigens seinerzeit einen Touristenboom. Passenderweise ist die Touristeninformation im unteren Gebäude des Turmes untergebracht.

Am nächsten Morgen, also Samstag, packten wir unsere Siebensachen und machten uns auf den Weg nach Hervelinghen. Es waren nur ca. 30 km bis dorthin, wir konnten also mit den Mädels noch eine entspannte Morgenrunde drehen. Dabei entdeckten wir einige hundert Meter vom Platz entfernt diesen Bunker!

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Auch wenn es so aussieht, als wenn er kurz vorm Umfallen ist, steht er bombenfest! Dieser „Schiefe Turm“ ist zwar nicht so bekannt wie der von Pisa, für die Region um Oye Plage aber ein Wahrzeichen.

Wir bezahlten bei der lieben und freundlichen Mme. Lheureux. Sie wünschte uns gute Fahrt und hoffte auf ein Wiedersehen! Wer weiß!

Wir fuhren gen Westen Richtung Calais. Ungefähr 10 km hinter Calais verließen wir die Autobahn und erreichten um  13.00 Uhr nach einer völlig unspektakulären Fahrt Hervelinghen. Der Campingplatz war sehr leicht zu finden. Der Platz Nr. 88 sollte für die nächsten elf Tage unser zu Hause sein.

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Was wir alles gesehen und erlebt haben erzähle ich Dir im zweiten Teil. Bis hierher schon mal herzlichen Dank fürs Lesen!

Fortsetzung folgt!

4 Kommentare

  1. Hallo Birgit!

    Hilfe, ich mag ja Kröten. Aber in der Spülschüssel? Da hätte ich einen riesen Schreck bekommen!
    Schade, dass man mit Hunden nicht auf den Steg durfte, aber ansonsten sehen die Fotos nach einem tollen Urlaub aus!
    Ich bin schon gespannt auf den nächsten Teil!
    Liebe Grüße
    Carolin

    1. Hallo Carolin!
      Ich habe auch einen Schreck bekommen, als die “Moosbälle“ davon hüpften! 😂
      Und es war wirklich ein ganz toller Urlaub! Ich beeile mich mit Teil 2! 🤗😉

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